Turbo-Hochzeit

10 January 2008 | Daily | No Comments

Dorothee, Elaine und ich waren am Samstag zum ersten Mal auf einer Malaiischen Hochzeit. Chinesische Hochzeiten haben wir natürlich schon alle erlebt. Diese sind sich im Grunde alle sehr ähnlich, sogar das Menü ist meistens das selbe. Also waren wir doch mal ganz gespannt, was uns an diesem Abend so erwarten würde.


Bemerkenswert war als erstes, dass ich die Einladung zu der Hochzeit nur etwa drei Wochen vorher bekam, was in Malaysia damit zu erklären ist, dass es wegen des allgemeinen Kinderreichtums so viele Hochzeitsfeiern gibt. Da wird schnell mal eine vergessen. Und es ist auch nicht so dass es wie in Europa eine Hochzeithochsaison gibt, also im Sommer. In Malaysia ist ja das ganze Jahr über Sommer, Regen- und Trockenzeit spielen da keine große Rolle.

Das Brautpaar während der Trauung.

Hochzeit hin, Hochzeit her, ich habe ja noch gar nicht erwähnt um wessen Hochzeit es sich handelt. Ist eigentlich auch gar nicht so wichtig, ich kenne das Brautpaar ja auch nicht. Wichtig ist nur dass der Vater der Braut mich eingeladen hat, und der ist Finanzdirektor in meiner Firma. Es ist in Malaysia Brauch dass die Eltern sich um die Einladungen kümmern. Da stört es nicht, ob die Leute auch das Brautpaar kennen. Es fühlt sich an als ob man zu einem Event eingeladen wird, etwa ein Konzert.
Meine Begleitung, ganz in Weiss.

Nun ja, am Samstag machten wir uns also auf den Weg in die entfernte Regierungsstadt Putrajaya, wo eine Art supermodernes Bürgerhaus angemietet wurde, das anscheinend speziell für solche Großveranstaltungen konzipiert wurde. Großveranstaltung? Ja! 600 Gäste haben nämlich zugesagt. Viele Familienangehörige kommen zusammen in Bussen oder Vans angereist. Und da sind meine zwei Bekannten, die ich mitgenommen habe, eigentlich in der Menge untergegangen. Obwohl Dorothee mit Ihrer Länge und dem Wuschelkopf dem Brautpaar fast die Show gestohlen hätte.


Die Braut wollte unbedingt im westlichen Brautkleid heiraten.

Als wir den riesigen Saal betraten, fiel einem vor allem die große Anzahl an Tischen und die Unmengen an Blumen auf, die zur Dekoration verwendet wurden. Nun ja, wir sassen dann an dem Tisch mit einigen meiner Kollegen, dabei auch mein ziemlich bekloppter Lieblingskollege. Es war aber auch ein nettes malaiisches Paar dabei, das lange Zeit in Europa gelebt hatte.

Ein weiteres interessantes Detail war der Dresscode. Nebenbei hat der Gastgeber mir noch gesagt dass die Kleiderordnung weiß wäre. Das war schon ein wenig seltsam, da man in Deutschland ja besser nicht in der Farbe der Braut erscheinen sollte. Aber zu unserer Überraschung waren dann doch die meisten Gäste in weiß erschienen. Und noch überraschender war die moderne westliche Bekleidung des Brautpaares, die auch in weiß waren. Kopfschüttelnd meinte der Finanzdirektor dass seine Tochter es unbedingt so wollte.

Die Show begann sobald in Form eines Moderators, der von seinem Pult aus die Zeremonie kommentierte und auch lustige Geschichten über das Kennenlernen der Verlobten erzählte, das alles aber nur in Bahasa Malaysia. Lustig schien es nicht zu sein, von den 600 hat kaum einer gelacht, wahrscheinlich haben Alle auf den Startschuss fürs Essen gewartet, das auf allen Tischen schon bereitstand. Nennenswert war auch die Videoleinwand, auf die wechselweise Bilder aus dem gemeinsamen Leben des Brautpaares, oder aber Livebilder aus dem Ballsaal projiziert wurden. Es waren tatsächlich etwa drei Kamerateams anwesend.
Auf einer Bühne wurde die traditionelle Zeremonie durchgeführt, wobei die Eltern Ihren Kindern wohl einen Segen erteilt haben, und diese dann mit irgendeiner Flüssigkeit besprenkelten. Auch sogenannte VIP’s, also irgendein Datuk durfte sich da einmischen, was anscheinend zum guten Stil gehört. Das ganze hat keine 10 Minuten gedauert, und schon schreitete das frisch vermählte Paar von der Bühne zu dem auf einem Podest angebrachten Speisetisch. Damit war dann auch offiziell das Abendessen eröffnet und Ruck-Zuck aßen auch schon die meisten Gäste.


Happi-Pappi. Stand natürlich schon auf dem Tisch bevor wir eintrafen.

Es gab typisch malaiisches Essen, getrocknete (oder vertrocknete?) Rinderstreifen als Highlight, Sambal Belajan, Sotong (also Tintenfisch), irgendeinen Mangosalat der einem die Birne weg gebrannt hatte, so scharf war der. Aber insgesamt sehr lecker. Zu trinken wurde Wasser und Syrup serviert. Alkohol war natürlich Tabu, obwohl, da war doch was. Ja!, die Nachspeise, die schon von Anfang an in kleinen Plastikbechern auf dem Tisch stand! Fermentierter süsser Reis. Fermentiert? Also mit Alkohol? Ja, ganz genau, aber laut unserer muslimischen Tischnachbarin “Halal” Alkohol. Na sieh einer an, was es alles gibt. Aber um es vorwegzunehmen, auf den Tischen hat anschließend keiner mehr herumgetanzt, und von Alkoholleichen weit und breit keine Spur. Wie auch, man wird wahrscheinlich von einer Mon Cherie Praline besoffener als von den paar Tröpfchen Alk.
Während des Essens wurden die Gäste übrigens gefilmt und konnten sich Live auf der Leinwand sehen.


Das Brautpaar mit engster Familie beim Essen auf dem Podest

Nach nicht einmal 30 Minuten war es schon Zeit für das Kuchen schneiden. Richtig, die Braut wollte unbedingt diesen europäischen Brauch praktizieren. Sogleich wurden wir als scheinbare Spezialisten der europäischen Kultur von unseren muslimischen Freunden gefragt was eigentlich die Symbolik des Kuchens ist. Tja, gute Frage, schmecken soll er halt. Oder war es sowas wie der erste gemeinsame Akt als verheiratetes Paar? Auf jeden Fall freute ich mich schon auf ein Stück Kuchen, doch plötzlich war auf einmal die ganze Show vorbei und die Leute erhoben sich von einer Sekunde auf die andere um sich zu verabschieden. Die Gastgeber postierten sich schon am Ausgang um jeden die Hand zu schütteln, und nach sage und schreibe 90 Minuten hatten wir den Ballsaal schon wieder verlassen. Unglaublich aber wahr! Was für ein Aufwand für solch eine kurze Feier! Die Blumen riefen bei Dorothee natürlich am meisten Mitleid hervor. Mir viel nur auf wie gelangweilt die meisten Gäste herumsaßen, als hätten sie wegen der Hochzeit ein andere tolle Feier verpasst.


Kuchenschneiden, fünf Minuten später war Alles vorbei.


Schnell, Alle raus!

Am nächsten Arbeitstag fragte ich dann den Brautvater, warum es denn alles so schnell ging. Darauf nur, “sonst wäre es ja langweilig für die Gäste geworden.” :)

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