Krönungsfeier

27 April 2007 | Daily, Kultur, Gesellschaft | 2 Comments

In Malaysia wurde gestern der 13. König pompös in sein Amt eingeführt. Begleitet von 21 Kanonenschlägen hob er das königliche Keris, was der traditionnelle malaiische Dolch ist. Malaysia hat eine rotierende Monarchie: Alle 5 Jahre wird ein neuer Sultan aus den 9 Bundestaaten gewählt, und da es auch eine bestimmte Reihenfolge einzuhalten gilt, gibt es auch keine Überraschungen. Der Sultan wurde schon im November letzten Jahres gewählt, zufälligerweise im Hotel neben meinem Büro was man hier nachlesen kann. Der neue König heisst übrigens Sultan Mizan Zainan Abidin, ist der zweitjüngste König der Geschichte, und stammt aus Terrengganu an der Ostküste von Malaysia. Sein neuer Titel ist ein wenig lang: er ist jetzt der offizielle “Yang di-Pertuan Agong” und darf nun auch mit seinem Bentley samt Polizeikolonne durch die Stadt düsen. Seine Ehefrau, Nur Zahirah darf jetzt “Raja Permaisuri Agong Tuanka” vor ihren Namen setzen.

kroenungsfeier.jpg 
Da sind die Beiden.

Zu seiner Antrittsrede erinnerte er an die kulturelle Vielfalt des Landes und das diese im Grunde die Stärke Malaysias sei. Das ist natürlich sehr politisch korrekt ausgedrückt. Im Hinterkopf werden viele Chinesen und Inder gedacht haben: “mit den faulen malaiischen Säcken”. Die Malaien werden gedacht haben. “mit den geldgeilen und immoralen Chinesen!” und was die Malaien und die Chinesen zusammen über die Inder gedacht haben möchte ich hier mal vorenthalten. Dies entspricht natürlich nicht meiner Meinung, aber ist leider der reale Gedankengang, zumindest beim “einfachen” Volk.

Das Königshaus ist besonders bei der malaiischen Bevölkerung (60%) noch sehr angesehen, da es dort auch noch viele aristokratische Sippschaften gibt, die natürlich alle etwas von sich halten. Ohne den Royals hätten sie keinen Status mehr. Aber auch bei den anderen Bevölkerungsschichten ist der König durchaus angesehen, da er ja auch Adelstitel verteilt. Jedes Jahr werden hunderte Menschen, die sich um Malaysia verdient gemacht haben, zum “Datuk” (für Männer) oder zur “Datin” (für Frauen) ernannt. Meistens sind es Leute, die das Land wirtschaftlich vorangebracht haben: viele Datuks sind in den Vorstandsetagen zu finden. Es sind aber auch viele anderen Persönlichkeiten wei Saänger, Schauspieler oder Sportler. Alle dies Leute dürfen sich dann ein kleines Wappen ans Nummernschild kleben und genießen eine Art Sonderstatus. Auch einige Ausländer sind Datuks, zum Beispiel langjährige Botschafter oder Ehrenbürger.

Das Königshaus ist aber auch umstritten. So können es viele Leute nicht verstehen, dass ein neuer Palast für eine Milliarde Ringgit (ca. 250 Mil, Euro) gebaut werden soll. So hat es das Parlament beschlossen, und verweist auf ein neues Statussymbol für die Nation. Dabei gibt es schon zwei Paläste in Kuala Lumpur. Der eine ist traditionnel und sieht eigentlich gut aus, vielleicht stört den Yang di-Pertuan Agong ja der Autobahnlärm. Der andere,  im modernen Cyberjaya, ist neu aber unbewohnt, ist ja auch ein wenig abgelegen von der Stadt (so 40 Km),  das kann man dem König nicht zumuten.

Heute wird es übrigens zu Ehren des Königs traditionnelle Tanzvorführungen auf dem Merdeka Square geben. Das Verkehrschaos ist vorprogrammiert :) .

2 Comments

  1. vince said on 29 Apr 2007 at 11:02 pm:

    toujours actif! pas mal pas mal

  2. Andreas said on 7 May 2007 at 12:47 pm:

    Hi Felix,

    als unverbesserlicher Monarchenfetischist kann ich dazu nur sagen: Super, denn die Welt braucht mehr Könige!

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