Hanoi (1)

27 January 2007 | Reisen | 2 Comments

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Wie angekündigt waren Marge und Ich letztes Wochenende in Vietnam, präziserweise in Hanoi, um die “Söziallisdische Rebbubblik” mal genau unter die Lupe zu nehmen und ebenfalls ein paar Bekannte zu besuchen. Der Bericht ist chronologisch geschrieben und ufert ab und zu mal ein wenig aus. Da er ziemlich lang ausfällt hab ich mir die Freiheit genommen ihn zu teilen, jeden Tag ein neues Häppchen.

Tag 1

Der erste Eindruck beim Betreten vietnamesischen Bodens: es ist verdammt kalt hier im Flughafen, und warum ist es so dunkel und still? Die Zollbeamten in ihren Moßgrünen Flanell-Uniformen mustern ganz genau den Pass, und auch in der Empfangshalle ist es auffällig ruhig. Irgendwie genau das, was man nicht in einem Südostasiatischen Land erwartet (Malaysia ist dagegen laut). Unsere Hoffnung, dass nur die Klimaanlage für die Kälte im Gebäude verantwortlich war, wurde mit dem Gang hinaus enttäuscht. Draussen war es nämlich noch Kälter! Laut den verschiedenen Digitalanzeigen so zwischen 10 und 15 Grad. Darauf war ich, nach 8 Monaten zwischen 25 und 35 °C, natürlich nicht eingestellt. Und zum ersten Mal nach langer Zeit wusste ich wieder wie sich eine Autoheizung anfühlt.

IMG_4652 (Small).JPG Willkommen in Hanoi, wo ist die Sonne? Warum ist es so dunkel?

IMG_4683 (Small).JPG 1 US$ sind 16,000 Dong.

Da sind wir nun gleich beim Stichwort “Verkehr” angelangt. Um nämlich das empfundene Chaos auf Vietnams Straßen zu verstehen, bedarf es für uns Westliche eines gänzlich neuen Denkansatzes. Tausende Mofas düsen inmitten eines großen Hupkonzertes durch die Gegend, Verkehrsregeln werden anscheinend nicht beachtet (warum wird an einer Ampel gehalten und an der anderen nicht?), es wird kreuz und quer gefahren. Bei vielen ist die Hupe auf Dauermodus eingestellt, was es bei uns nur gibt wenn Deutschland Weltmeister wird (oder die Eintracht aufsteigt). Die goldene Regel beim fahren: “go with the flow”, man muß den Verkehr wie einen riesigen Fluß warnehmen, und tatsächlich, sofort hat man ein anderes Bewusstsein. Dasselbe gilt beim Straßenüberqueren als Fußgänger. Wer wartet hat verloren, man muß einfach ganz ruhig über die Straße gehen, und die Motorräder umfahren einen wie das Wasser im Fluß einem Felsen umspülen würde. Kleiner Tipp am Rande: wenn ein Omnibus kommt, dann lieber doch stehenbleiben.

IMG_4792 (Small).JPG Viel los auf Hanois Straßen.

Nachdem wir über Umwege unser charmantes Hotel in der Altstadt von Hanoi erreicht hatten gingen wir gleich auf eine kleine Besichtigung zu Fuss. Geradezu unglaublich wie sehr sich das Leben auf dem Boden abspielt. Auf kleinen Plastickhockern wird gegessen, verkauft, gekocht oder einfacht nur rumgesessen. Unser erstes vietnamesisches Bier (Bia Hanoi oder Halida) verkosteten wir in der Dragongly Bar, wo wir auch feststellen konnten wie nett die Leute hier sein können. Die nächste Station war ein typisches Café wo Bia Hoi verkauft wurde.
Bia Hoi ist ein frisch gebrautes Leichtbier nach tcheschichem Vorbild, das täglich an die kleinen Cafés geliefert wird und dort für sage und schreibe 2000 Dong (etwa 10 Eurocent) das Glas verkauft wird. Das Gebräu schmeckt sogar ziemlich gut (schön würzig), was man auch an den vielen besetzten Stühlen ausmachen kann.
Marge hat ihr Bier auf jeden fall im Bruchteil einer Sekunde gekippt, während ich vor lauter Beobachten nur sehr schleppend trank.

IMG_4701 (Small).JPG Entspannen bei Bia Hoi.

Nur kurze Zeit darauf trafen wir einen von unseren Bekannten, den Ivo, zusammen mit einem seiner Freunde, den Andreas. Auf Ihren Mofas fuhren wir direkt zum “Highway 4“, ein angesagtes Restaurant, das laut meines Reiseführers ein Treffpunkt der vietnamesischen Biker sein soll (was es nicht alles gibt). Der Laden war auf jeden Fall super, schön eingerichtet und nach typischer vietnamesischer Art sitzen die Gäste im Schneidersitz (Eine Qual für mich Grobmotoriker, zum Glück geht’s auch anders) um ganz flache Tische auf denen die Speisen geteilt werden. In einigen Regalen stehen grosse Gefässer mit in Alkohol eingelegten Schlangen, die übrigens nicht nur als Dekoration dienen. Wir setzten uns an einen Tisch auf der Dachterrasse zu ein paar anderen Deutschen, und ganz schnell wurden schon die ersten Teller gebracht. Mein persönlicher Favorit waren die Nem mit gebackenem Fisch umwickelt mit Reispapier, die man in eine leckere Soja-Wasabi Sosse tunken konnte - eine tolle Kombination! Es gab auch panierten Mais, Rindfleischröllchen mit Ingwer (in den Röllchen) und auch Thüringer Bratwurst (kein Scherz, mehr dazu gleich).
Zum runterspülen gutes Bier und jede Menge landestypischer Likör in den Variationen Passionsfrucht und Aprikose, der irgendwie nach chinesischer Mediziin schmeckte. Ob der Rhythmus in dem wir den Likör konsumierten auch landestypisch war wage ich zu bezweifeln. Ganz sicher ist aber, dass Marge beim gemeinsamen Anstossen immer mal wieder geschummelt hat und so manche Runde ausgesetzt hat. Dieses führte zu einer ungleichen Alkoholverteilung und hätte für einige durchaus fatale Folgen haben können :) . Aber zum Glück ist ja nichts passiert. Zum Glück haben wir auch keinen Schlangen oder Spinnenschnaps bestellt (Puh!). Wir trafen übrigens auch einen alten Bekannten von Marge, den Jan der zufällig auf Vietnamreise war mit seiner Begleitung Annika.

IMG_4718 (Small).JPGIMG_4716 (Small).JPG Deko im Highway 4. Den Schlangenschnaps haben wir dann doch nicht probiert.

IMG_4725 (Small).JPG Die leckeren Nem, in der Mitte die Soja-Wasabi-Soße.

IMG_4730 (Small).JPG Links die Rind-Ingwer-Rollen, oben die Bratwurst :) .

IMG_4729 (Small).JPG Noch ein Schluck und hoch die Gläser!

Zum Stichwort Thürhinger Bratwürste: Es gibt sie tatsächlich in Vietnam, und es ist auch kein Zufall. Die Erklärung dafür liefert auch gleich Andreas in unserer Runde: er ist nämlich der thüringische Wurstfabrikant (Ein Mann, der in Schweinehälften denkt - Ironie). Tatsächlich gibt es eine Nachfrage an Bratwürsten in Vietnam, die durch die vielen ehemaligen Vietnamesen die damals in der DDR studierten gestütz wird. Nun werden täglich x Tonnen produziert um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Sie werden oft am Spies verkauft, was sie handlicher macht. Es gab anscheinend auch Anfragen, die Wurst eckig zu machen, damit Frauen sich nicht so schämen müssen wenn sie in die Wurst beissen. Deshalb wird sie auch oft quer geschnitten (so wie auf dem Bild). Ganz sicher kann ich aber bestätigen dass sie schmeckt!

Um noch ein Wort über die in Schnaps eingelegten Viecher zu verlieren: es gibt in der Nähe von Hanoi ein Lokal, in dem die Schlangen vor dem Gast aufgeschlitzt werden und das noch pochende Herz mit einem Glas Spirituose heruntergespült werden muß. Wir hatten zwar vor, diese Spezialität zu probieren, aber sind dann irgendwie nicht mehr dazu gekommen (Puh!).

Die Bartour ging nun aber weiter. Nächstes Ziel: das “C.a.m.a” (Club for art and music appreciation), eine illegale Untergrundbar die alle paar Wochen ihre Location ändern muss. Die Location: mitten im Zentrum muss man durch einen langen, dunklen Korridor gehen um über ein Treppenhaus den zweiten Stock eines Gebäudes zu erreichen. Das Prinzip: man muss an der Bar Karten kaufen die eine bestimmte Menge “Clicks”gestatten. Je nach Getränketyp wird die Karte abgeklickt. Das sorgt wohl für die nötige Kundenbindung.
Das Publikum ist locker, und eine bunte Mischung aus Ausländern von der ganzen Welt (mit einer kleinen Merheit an Franzosen). Vietnamesen gibt es nicht sehr viele zu sehen. Die Stimmung errinnert sehr an eine Studentenwohnheimparty, mit einem Amateur DJ, dem immer besetzten Kickertisch und vielen herumstehenden Leuten.

IMG_4750 (Small).JPGIMG_4905 (Small).JPG Kickertisch und gute Stimmung im C.A.M.A.

Der “Funky Monkey Club”, nur ein paar Häuserblöcke entfernt, war nicht so sehr das Highlight, vielleicht weil der Laden ganz leer war oder weil dort komische Techno-Dance Musik gespielt wurde. Auch der erhoffte Effekt vom Gin Tonic auf Marge hat sich nicht eingestellt (wahrscheinlich weil sie beim Likör geschummelt hat): leider fing sie nicht an wie wild auf einem Podest zu tanzen.

IMG_4753 (Small).JPGIMG_4755 (Small).JPG Im Funky Monkey hilft nur noch ein Glas Gin.

Komische Techno-Dance Musik gab es auch im “New Century Club”, der wohl grössten Disco in der Stadt, die dem Sohn des Premierministers gehört, und gleichzeitig die nächste Station auf unserer Liste. Das Publikum ist dort majoritär vietnamesisch. Die Hanoier jugend lässt es sich dort gut gehen. Auf jeden Fall ist die Grossraumdisco Rappelvoll. Die Bedienungen haben komische Orangene Overalls an, die eher an Bottroper Müllabfuhr als an Edeldisco erinnern. Um uns ein wenig der einheimischen Bevölkerung zu nähern wagten wir uns auf die enge Tanzfläsche.Es war schon lustig anzusehen wie unsere Köpfe aus dem Meer an kleinen schwarzhaarigen Vietnamesen herausragten. Besonders der grosse Andreas (über 2 Meter) sah aus wie Papa beim Kindergeburtstag.

Um nach dem ganzen Alkohol richtig schlafen zu können, mussten wir auf alle Fälle noch mal gastronomisch zuschlagen. Wir suchten die Garküche vor unserem Hotel auf um dort das Nationalgericht “Föhr”zu bestellen (es wird nicht so geschrieben aber ich bin mal so frei). Ivo und Andreas schwören voll auf Föhr, es gehört anscheinend zum Post-Ausgeh-Ritual, und das ist auch gut so. Föhr sind Reisnudeln in einer Fleischbrühe, meistens noch mit Fleischstücken und gemüse versehen. In dieser Garküche gab es jedoch nur die gebratene Variante, die zwar schön knusprig aber sehr fettig war, aber wen kümmert das schon bei x,xx promille. Die promille waren übrigens auch sehr wirksam gegen die Kälte, die durch die Nacht und den Fahrtwind auf den Mofas noch intensiver wurde. (Fortsetzung folgt…)

IMG_4759 (Small).JPG Das Leben spielt sich auf der Straße ab. Hier eine Garküche nachts um 3.

IMG_4765 (Small).JPG So sieht “Föhr” aus.

2 Comments

  1. alex said on 27 Jan 2007 at 10:52 am:

    Du erreichst mit diesem Artikel neue literarische Höhen!

  2. felix said on 28 Jan 2007 at 7:23 am:

    danke, danke, warte mal Teil 2 ab, da wirst du mich für den Pulitzer nominieren.. ;)

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