Bijan
16 December 2006 | Kulinarisches, Eating out | No Comments
Letzte Woche habe ich zum Abendessen mal das etwas andere malaiische Restaurant ausprobiert. Das Bijan, das sich in einem Bungalow direkt neben dem Nero Vivo befindet, kann man nämlich zweifellos als Edelrestaurant kategorisieren, wenn man bedenkt daß man für den Preis eines Dinners etwa zweieinhalb Monate am Stück auf der Straße essen gehen kann. Nun ja, deshalb geht man dann auch mit einer gewissen Erwartungshaltung in solch einen Laden, und freut sich auf ein kulinarisches Erlebnis der Sonderklasse.
Das Interieur überzeugt sofort durch eine Mischung aus modernem und traditionellem Design; dunkle tropische Hölzer und ein sanftes Licht erzeugen eine stimmungsvolle Atmosphäre. Der Gast kann zwischen einem Tisch im Innenbereich oder auf der Veranda wählen, die mit Petroleumfackeln umgeben ist. Da das Wetter nach einem tropischen Regen sehr angenehm war entschieden wir uns für die Terrasse.
Als Vorspeise teilten wir uns den Apetizer-Platter, der aus verschiedenen Spezialitäten bestand. Die frittierten Garnelen in Chili Soße (Cucur Udang) waren ganz OK, die Satay Spieße ein wenig trocken, die Frühlingsrollen (Popiah genannt, aber was ist daran malaiisch?) ganz knusprig. Nur die gefüllten Tofu-Rouladen (Tauhu Sumbat) schmeckten irgendwie nach nix, so etwa wie ein Schwamm.
In Punkto Hauptspeise entschied ich mich für das Daging Panggang (hört sich exotisch an, bedeutet aber nur “gegrilltes Fleisch”), ein angeblich mariniert Sirloon Steack, das über Holzkohle gegrillt wurde. Als ich den ersten Bissen zwischen den Zähnen hatte, fragte ich mich für einen Moment ob der Koch eventuell anstelle des Fleisches sein Lederportemonnaie gegrillt hat. Nicht mal der Tamarind Dip, geschweige den die Belacan Soße (eine Art scharfe Shrimp-Paste) konnten da etwas daran ändern. Wie man übrigens auf die Kombination Fleisch und Belacan kommt ist mir ein Rätsel.
Ein glücklicheres Händchen bei der Auswahl hatte meine Begleitung, die sich für das Rendang Daging entschied. Das Fleisch, stundenlang in würziger Marinade gekocht, war superzart und schmeckte aromatisch und geschmeidig. Ein wenig erinnerte es mich an den famosen Boeuf Bourguignon, ein Volltreffer.
Ohne zu ahnen wie groß die Portionen eigentlich werden sollten bestellten wir auch die Sotong Panggang, also gegrillte Baby-Tintenfische. Diese waren sehr lecker und liessen keine Angriffsfläsche für negative Kritik. Als Gemüsebeilage gab es auch noch den Asparagus Goreng Belacan (na was wohl? “Spaschel”), der sehr knackig frisch war. Die Belacan-Paste kam diesmal zum Glück auch nicht so zur Geltung.
Zum Dessert genossen wir die hausgemachten Eissorten, und zwar Pandan (mit Chendol Stücken), Kokosnuss und Bandung (laut meiner Begleitung irgendwelche Beeren, na solange es schmeckt).
Die üppigen Speisen spülten wir übrigens mit Hilfe eines australischen Weissweines runter, der ziemlich erfrischend und dezent fruchtig in den Hals runterragte (frei nach Helge Schneider).
Fazit: ein sehr nett gestaltetes Restaurant, das nicht immer seinen Ansprüchen gerecht wird (siehe Daging Panggang), aber eine ideale Umgebung für ein nettes Dinner zu zweit ist.
Restoran Bijan
Nr 3, Jalan Ceylon
50200 Kuala Lumpur
Tel.: 03 2031 3575
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