Shook! @ Starhill Gallery

23 November 2006 | Kulinarisches, Eating out | No Comments

In unserer Testreihe exklusiver Restaurants kann das “Shook!” in der Starhill Gallery auf Anhieb ein Ausrufezeichen setzen. Das Restaurant wird indirekt von der YTL Gruppe betrieben, die u.a. auch das im selben Gebaeude ansaessige JW Marriott ihr Eigen nennt.
Das gastronomische Konzept besticht durch groesse und Raum. Als sogenanntes “Open Space” wurde da Restaurant in das Erdgeschoss des sehr hohen Atriums der Starhill Gallery eingebaut.

Die Flaeche des Lokals, das vom Rest des Atriums durch ein leichtes Glasgelaender getrennt wurde, ist dabei so weit, dass manche Tische an einem Ende irgendwie verloren vorkommen. Das Ambiente ist kuehl und dunkel, somit konzentriert sich der Gast auf die die offenen Kochstellen, die ein wenig athmosphaerische Waerme austrahlen. Da waere dann auch der aus Klinkerstein gemauerte Pizzaofen, der wie ein Turm in der Mitte steht. Ein anderes interessantes Design-Element ist der begehbare Weinkeller, dessen durchsichtige Glaskonstruktion freien Blick auf die unzaehligen Flaschen bietet.

Das zahlreiche freundliche Personal, elegant in schwarz uniformiert, bringt einem sodann das Menue und gleichzeitig den ersten Aha-Effekt. Das gute Stueck gleicht naemlich eher einem Roman als ein Menue, so gross ist die Auswahl. Von frischen Fischen mit freier Zubereitungsauswahl, ueber japanische, italienische, internationale und chinesische Kueche bis hin zu ganz gewoehnlichen Salaten gibt es im Shook! fast Alles was das Gourmetherz begehrt. Leider faellt einem die Auswahl dabei sehr schwer, insbesondere weil die Seiten nicht numeriert sind. Nach einiger Zeit hat man mindestens 3 Finger in dem Waelzer um sich die Seiten zu merken. 

Nach langer Reflexionszeit (bestimmt 45 Minuten) entschied ich mich fuer ein exotisches Sushiset (ca. 70,- RM) als Vorspeise und Fantasie-anregenden Lobster-Linguini (Marktpreis) als Hauptspeise. Die verschiedenen Makis und Sashimis waren qualitativ kaum zu ueberbieten, und ebenfalls optisch perfekt inszeniert (mit mini Bonsai-Ahorn-Blatt). Geschmacklich eine absolute Genugtuung! Das Pizza Brot meiner Mutter fande ich ein wenig trocken, die kleinen Bruschettas von meinem Vater waren anscheinend kross mit saftigen Belag, wie es sich gehoert. Dorothee hatte ebenfalls eine leckers Sushi Set und Ayse einen Salat.

Konnte man noch eine Steigerung erwarten? Ich freute mich auf ordentliche Pasta, aber was ich bekam war ein einziges kulinarisches Feuerwerk! Die erwarteten Lobsterschnipsel waren naemlich im Endeffekt das Mutterschiff aller Hummeroberkoerper, mit riesigem Fleischanteil, schoen saueberlich vom Panzer getrennt und extrem saftig und unverstellt im Geschmack. Die Linguine, die dagegen fast schon mickrig aussahen (ich ewartete jeden Moment dass der Teller kippt, so unausgeglichen sah das aus), waren subtil mit Paprika-Streifchen bespickt, perfekt al dente und nicht in Oel schwimmend, sondern leger mit Olivenoel aufgelockert. Die Kombination beider Elemente war einfach sagenhaft lecker und ich kann mit Sicherheit behaupten im Shook! die besten Hummer Linguine meines Lebens gegessen zu haben, und womoeglich auch den besten Hummer. Die Dekoration mit dem Hummerpanzer hat das Gesamtbild nur noch positiv abgerundet.

Dorothee war mit ihrer gedaempften Seebrasse genauso zufrieden wie ich mit meiner Hauptspeise. Auch meine Eltern mit Ihrem Honighuenchen und Steak waren durchaus zufrieden, ohne jetzt aber Lobeshymnen anzustimmen. Nur Ayse’s Gericht blieb ein wenig hinter den Erwartungen zurueck. Ihrem frittierten Hai fehlte es ein wenig an Subtilitaet und Kreativitaet, da war sicherlich noch Raum fuer Verbesserung.

Desserttechnisch haben wir uns dem Eis gewidmet. Wahrend Ayse sich einer klassischen, aber geschmacklich einwandfreien Vanille-Schokolade Kombination gewidmet hat, haben mein Vater und ich uns fuer ein selbstgemachtes Wasabi-Eis sowie Dorothee sich fuer ein Sesam-Eis entschieden.
Die Kugel Wasabi-Eis hat uns jetzt nicht die Nase explodieren und die Augen rausschiessen lassen, sondern hat dezent nach dem Basisgeschmack des japanischen Rettichs gemundet, ohne den beruehmten (von uns aber geschaetzten) Nasenstich hervorzurufen. Dorothee’s Sesameis war auch interessant, jedoch ein wenig zu dezent. Da habe ich einst in Japan intensiveres geschmeckt.

Nach der ganzen Lobhudelei koennen wir jetzt endlich auch einmal ein wenig Kritik ueben, und zwar an den Getraenken. Der Willkommensdrink war ja eine ganz nette Erscheinung, aber die Lychee Martinis als Aperitif eindeutig zu stark in Sachen Vodka. Das kann unsere Dorothee auf jeden Fall besser, das muss man Ihr zu Gute halten (weil Kuechenmaessig geht da sonst nicht sehr viel, ausser Apefelschneiden und Wasserkochen).
Nun aber zum Wein. Dorothee und ich (oder eigentlich nur ich) wollten einen frischen Weissen, dezent fruchtig mit angenehmer Blume, warum nicht einen Sauvignon Blanc. Um der Karte Herr zu werden rief ich den Sommelier, der mir, nach einen Gang in den Glaskeller, prompt eine australischen Riesling brachte (doch das merkte ich erst spaeter). Es handelte sich um einen 2004er Polish Hill von Grosset, der schon sehr reif war und eher nach Leder und Mineral als nach Frucht und Blume schmeckte. Als ich den Sommelier darauf ansprach, versicherte er mir diesen Riesling absichtlich ausgewaehlt zu haben, da er meine Kriterien am ehesten entsprechen wuerde. Da wurde mir sofort klar das der junge Mann gar kein Sommelier sein kann, schon gar nicht als Malaie. Meine Frage ob er Alkohol trinke hat er auch hoeflich verneint =).
Und da wage ich jetzt mal zu sagen, dass ein Restaurant dieses Standards, das von sich selber behauptet die groesste vertikale Chateau Mouton Rothschild Sammlung der welt zu besitzen (1945-2002 lueckenlos, in Standard- und Magnumflaschen) mindestens einen professionellen Sommelier in seinen Reihen haben sollte. Das Essbare ist naemlich grandios, und da sollte das (richtig ausgewaehlte) Trinkbare nich hinterherhinken. Unser Wein war naemlich keinesfalls schlecht, nur schlecht ausgewaehlt. Und leider scheint dies ein allgemeines Problem in Malaysia zu sein. Beim Bier-Servieren gab es aber keinerlei Probleme =).

Alles in Allem aber ein sehr netter und lustiger Abend, dafuer nochmal ein grosses Dankeschoen en meine Eltern. (Meine Handy-Bilder folgen)

Shook!
Feast Floor, Starhill Gallery
181, Jalan Bukit Bintang
55100 Kuala Lumpur
+60327198535

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