Melaka
10 September 2006 | Reisen, Kultur | No Comments

Gestern sind Dorothee und ich endlich Mal wieder auf Tour gewesen, auch wenn es “nur” ein Tagestrip nach Melaka war. “Nur” war eigentlich auch fast zu kurz, denn es gibt eigentlich ziemlich viel zu sehen und zu probieren. Um es vorwegzunehemen, ich denke man sollte dort einmal abends richtig essen gehen um auf den Geschmack der hiesigen Nyonya Küche zu kommen, was uns aus Zeitgründen leider verwehrt wurde. Es gibtt anscheinend auch sehr schöne Gästehäuser in den traditionellen Vierteln der Stadt. Ich werde in diesem Artikel jetzt nich auf alle Details eingehen, sondern in sukzessiven Posts über einzelne Erlebnisse berichten.
Im Bus.
Um ein wenig auf die Geschichte einzugehen, Melaka wurde im 14. Jarhundert von dem aus Sumatra geflohenen Prinzen Parameswara gegründet. Ein wenig später kamen dann die Chinesen, die zum islamischen Glauben wechselten und somit praktisch den Grundstein zum heutigen Malaysia gelegt haben. Mit arrangierten Hochzeiten zwischen chinesischen Prinzessinen und malaischen Adeligen wurde dieser Prozess beschleunigt. Im 16. Jarhundert waren dann die Europäer an der Reihe. In dem strategisch wichtigen Handelshafen waren zuerst die Portugiesen an der Macht, gefolgt von den Holländern und schließlich den Engländern. Melaka ist deshalb ein sehr interessanter Ort, weil viele Kulturen sich hier tangiert haben und so ein interessanter Mix entstanden ist. Es gibt heute noch eine portugiesische Gemeinschaft, und das viele Jarhunderte nachdem die Portugiesen schon wieder weg waren (diese sehen portugiesisch aus und sprechen alt-Portugiesisch). Dann gibt es noch die sogenannten “Baba Nyonya” Chinesen, die zwar einen malaiischen Lebensstil haben, oft auch kein Mandarin oder Kantonesisch sprechen aber auch keine Muslime sind (meistens ohne Religion). Mein Bekannter Farrell, den wir noch in Melaka besuchen wollten, ist ein solcher “Baba”.
Aha, da sind wir.
Doch zurück zu unserem Trip. Ohne jetzt einen Reiseführer oder eine Karte zu benutzen, haben wir einfach versucht die Stadt auf eigene Faust zu erkunden, was auch nicht sehr schwer ist. Man landet im Grunde zwingend bei den Hauptattraktionen wenn man den Touristen folgt. Und so geschah eigentlich auch. Nach der 2 Stunden Busfahrt, die ideal war um ein wenig Schlaf nachzuholen (knappe Nacht gestern), sind wir einfach in den Bus zur Stadtmitte gestiegen der dort gewartet hat.
Die Rikschafahrer mit ihren bunten Gefährten.
Dieser hat uns wie erwartet zu der ersten Attraktion gebracht: die alte Kirche, die von den Holländern erbaut wurde. Vor dem roten Gebäude ist ein kleiner Platz mit dem Queen Victoria Gedächtnisbrunnen und jede Menge Rikschafahrer, die in ihren bunt-dekorierten Gefährten auf Kundschaft lauern. Irgendwie sind diese Paradiesvögel auch zum Symbol von Melaka geworden, und kutschieren Besucher für 20RM pro halber Stunde durch die Gegend. Wir wollten aber erstmal zu Fuss um und auf den St-Pauls gehen, wo es verschieden historische Gebäude gibt: die “A Famosa” Ruine (ältestes Gebäude, von den Portugiesen in 1511 errichtet), die St-Paul Kirche auf der Spitze (ähnlich wie in Macao), ein paar alte Gräber und das “Stadthuyz”, das von den Holländern stammt. Zusätzlich gibt es noch ein große Zahl von Museen, die aber manchmal irgendwie gar nicht wirklich einen Bezug zu Melaka selbst haben, wie zum Beispiel das “Beauty Museum”, oder das “People’s Museum”.
“A Famosa”, eine Haufen alter Steine.
Saint Paul, ein Kirchenskelett.
Anschliessend haben wir uns entschieden mit einem der Rikschafahrer durch das chinesische Viertel rund um die sogenannte “Jonkerstreet” (Jalan Hang Jebat) zu fahren. Der nette Malaie musste dafür ganz schön in die Pedalen treten, eine solch große und schwere Frau wie Dorothee sitzt nämlich nicht alle Tage in seinerm Drahtesel.
Für uns war dieses Viertel auf jeden Fall das schönste. In aller Ruhe konnte man sich vorstellen wie Melaka vor 100 Jahren wohl gewesen sein mag. In der Jalan Tukang Emas, parallel zur Jonker Street, findet man auch prächtige Kultstätten.
Die Kampung Keling Moschee aus dem Jahre 1748 ist zwar klein aber reich dekoriert.
Eine Siesta im ruhigen Gotteshaus.
Sehr reich dekoriert ist auch der chinesische Cheng Hoon Ten Tempel in der selben Straße, die älteste noch benutzte chinesische Gebetsstätte des Landes (1645). Für mich einer der schönsten Tempel dieser Sorte den ich je gesehen habe.
Die vielen Antiquität- und Kunstläden bieten reichlich interessante Artikel die als Souvenir geeignet sind. Abgesehen vom üblichen Ramsch kann man schöne Kunstdrucke, modischen Schmuck oder traditonelle Spiele kaufen, wie das Chongkat Spiel, das sich Dorothee zugelegt hat (und heute gleich zum Anfang zweit bittere Niederlagen hinnehmen musste).
Cheng Hoon Ten Tempel in der Jln Tukang Emas.
Ein Laden wie viele anderen im Jonkerstreet Viertel.
Auch die Inder sind vertreten. Hier ein Priester.
Zum Abschluss haben wir noch unseren netten Kumpel Farrell getroffen, der dieses Wochenende seine Familie zwecks Hochzeitplanung (seiner Schwester) besucht hat. Er konnte uns als Insider natürlich noch viel erzählen und zeigen, zum Beispiel seine Grundschule und wie öde es früher für Jugendliche hier war, als es noch keine Shoppingmall gab. Öde ist es aber glaube ich immernoch für viele Jugendliche, die offesichtlich den Kontakt zu Touristen suchen. Nette Gespräche entstehen immer öfter.Schnell noch auf den Markt un dann ab ins Taxi gesprungen um den Bus zurück zu erwischen.
Wofür wir leider keine Zeit hatten waren das “Portugese Settlement”, das original “Chinatown”, der “Bukit China” und die Nyonya Küche, die sehr würzig und nicht zu scharf sein soll, ein Gemeinschaftserzeugnis von Chinesen und Malaien.
Aber für all dies werden wir hoffentlich bei einem weiteren Besuch Zeit finden.
In weiteren Posts werde ich wenig mehr auf einige Sachen eingehen.
Reiseinfo
Anfahrt: Mit Transnasional Bus stündlich um halb von der Puduraya Busstation in Melaka. Die Fahrt dauert 2 Stunden. Der letzte Bus zurück von Melaka Sentral ist um 20h (nur Sonntags noch um 22h). Preis (Einzelfahrt 9,50RM).
Links
Wikipedia auf Deutsch
Wikipedia auf Englisch (ausführlicher)
Offizielle Webseite des Staates Melaka
Tourimus Seite
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