Genting

21 July 2006 | Daily, Reisen, Arbeit | No Comments

Genting
Gestern bin ich mit meiner Sales-managerin in das Casino Resort Genting gefahren, um dort den Markt zu besichtigen und ein paar Verantwortliche zu treffen.
Was ist Genting?
Zu allererst ist Genting ein Gebirge, die sogenannten “Genting Highlands”, in denen es erfrischend kuehl und nebelig ist (soll heissen, ca. 20-25 C).
Dann ist Genting die wahrgewordene Vison eines gewissen Herrn Lim Goh Tong (der jetzt geadelt wurde zu “Tan Sri Lim Goh Tong”), der 1965 die Idee hatte, in den Bergen ein Casino-Hotel-Komplex zu eroeffnen. Dieser ist nun eine Aktiengesellschaft namens Genting Berhad geworden.


Ach ja, es gibt da noch einen Freizeitpark, um Familien und andere Gaeste anzulocken, aber darauf komm ich noch zu sprechen.
Letztenendes ist Genting fuer Malaysier schlicht und einfach die einzige Moeglichkeit zu zocken, und man muss dabei bedenken wie Gluecksspielsuechtig die chinesische Volksgruppe ist.

Aller Anfang ist schwer Am Anfang war nicht viel…

Und genau um diese Zielgruppe zu befriedigen ist Genting ausgelegt: riesige Casinos, modernste Maschinen wie zum Beispiel ein virtuelles Roulette, und Bettenburgen.

Die Hotels sind allesamt alte Betonmonster aus den 70ern, die nur von Innen neu aussehen. Man kann aber trotzdem zwischen verschiedenen KAtegorien unterscheiden.
Da gibt es zum Beispiel die “Superbillig-minimum Komfort-maximum Zocken” Klasse. Eines dieser Kategorie entsprechenden Hotels, das “First World”, ist mit 6000(!) Zimmern ein richtiger Ameisenhaufen. Die Zimmer sind eng und ungemuetlich, die Duschen ein Alptraum fuer Klaustrophoben, und die Wandisolierung nicht vorhanden. Aber die Preise sind ein Traum fuer Zocker, die sich in den kleinen Raeumen eh nur umziehen um gleich weiterzuspielen. Ein Angebot das anscheinend Nachfrage findet: das Etablissement meldet naemlich fast immer ausgebucht (so an die 9000 bis 11000 Gaeste).
Dann gibt es den hoeheren Hotelstandard und schliesslich den absoluten Luxus, der durch den Maxim VVIP Club (genannt “M”) verkoerpert wird. Jedes Maxim Zimmer bietet jeglichen vorstellbaren Komfort: Internet Anschluss, riesige Badewanne mit Aussicht auf die Berge, Flatscreen und und und. Der Clou ist aber die stockwerfuellende Royal Suite: 8 Zimmer, alle erste Sahne, im Bad ein zusaetzlicher Whirlpool, ein eigener Fitnessraum, eine Penthouseterrasse und jeglicher Schnickschnack, das Alles fuer ueber 20000 RM die Nacht. Dieses Angebot zielt eher auf die arabischen Touristen, die in Scharen besonders im August nach Malaysia kommen. Aber warum kommen sie nach Genting? Denn laut Religion duerfen diese nicht an Glueckspielen teilnehmen. Die einizge Erklaerung: das Wetter und der Freizeitpark (argh!).

Firstworld Hotel Die 6000 Betten-Burg First World.

Die Casinos beeindrucken eher durch die dort herrschende Athmosphaere: hunderte chinesische Omas mit derselben Frisur, die von einem einarmigen Banditen zum naechsten huschen, tausende Maenner jeglichen Alters, die konzentriert vor den BlackJack-Tischen hocken und viel Frauen mittleren Alters, die durch die Gaenge streunen. Wa haben diese Alle gemeinsam? Es sind zu 99% chinesische Malaysier und alle eint das Spielfieber. Man wird in Genting (wie in Macao eigentlich auch) keinen sehen der lacht und Spass an der Sache hat. Zocken bedeutet Arbeit und die Illusion dass man beim Glueckspiel genauso Geld verdienen kann wie bei seinem taeglichen Job. Dabei sind Chinesen sehr aberglaeubig. Auf dem Weg nach Genting werden zum Beispiel oft an verschiedenen Schreinen Rauchstaebchen angezuendet. Waehrend des Spielens bringt es Unglueck wenn man an der Schulter beruehrt wird, und daran glaubt in Genting jeder Einzelne.
Zocken ist fuer die Chinesen ein wahre Leidenschaft, fast schon ein Obsession. In den Fluren treiben sich auch, asgeieraehnlich, dubioese Geldleiher herum, die nur darauf warten neue Opfer zu finden.

Die Macher Die Macher beim Spatenstich.

Der Freizeitpark, der in den 70ern nur aus einem Teisch mit Paddelbooten bestand, gilt marketingteschnich als der Magnet fuer Familien. Wer schon einmal in einem Freizeitpark wie Disneyland, Europark oder aehnliches war, wird sich verwundert die Augen reiben. Der Genting Themepark ist naemlich sowas wie ein Flickwerk aus alten und weniger alten Attraktionen. Man kann neben der “ersten Achterbahn Malaysias” (ein Museumsstueck, fuer das die Leute auch noch Schlange stehen (und wieso schreibt man “erste Achterbahn Malaysias” hin, da kriegt man doch Angst)) eine Rummelplatz-Geisterbahn finden. Dann gibt es wieder Attraktionen wie den fuer Asiaten sehenswerten Raum “Snowworld”: Hinter einer Glasfassade kann man in “echtem” Schnee rumtollen, und es schneit sogar.
Neben einer fuer mich eindeutigen Second-Hand Spiderman Achterbahn steht ein uralter ungenutzter Doppeldeckerbus aus London. Langsam kommt Ostblockrummelplatznostalgie auf.
Ok, ich muss gestehen, es gibt noch eine Achterbahn, die Freizeitparkanspruechen genuegt. Aber Im Endeffekt ist das fuer mein Verstaendnis einfach unbefriedigend.

Themepark Das Logo des Theme Parks: irgendwie bekannt..

Wie sieht es mit der Gastronomie und Unterhaltung aus? Im Grunde ist das Restaurantangebot sehr komplett. Fast Alle Ketten sind vertreten. Es gibt Foodcourts und viel Verkaufsstaende. Und neuerdings versucht sich der Konzern auch in Kochkunst. Das Restaurant “The Olive“, dessen Chefkoch Oliver Lopez (ein von Portugiesen abstammender Malaysier aus Melaka) ich getroffen habe, steht fuer mediterrane Kueche. Das Interieur kam mir ein wenig kitschig vor, aber die Kueche schien irgendwie internationalen Standard zu haben (Wenn ein Restaurant in Genting keine Essensbilder auf seiner Karte hat, ist das schon irgendwie lobenswert).
Entertainment gibt es in Form von Cabarets, Konzerten von Hong Kong Stars und westlichen Groessen wie Jim Brickman (Wer zum Teufel ist das?). Die Karaoke Bar darf natuerlich nicht fehlen. Der Boss Steve hat uns netterweise sein Vanilleeis mit Bailey’s und Vodka probieren lassen.
Ach ja, und es gibt auch noch ein Kino.

Was fuer eine Strategie steht hinter Genting? Ich hatte das Glueck einige von den Entscheidern in Genting zu treffen. Was das Geschaeft angeht, liegt der Schwerpunkt natuerlich auf dem Casinozweig: es werden etliche Pauschalreisen angeboten, nur um die Zocker an dei abzockmaschinen zu bringen.
Man ist aber bemueht, das Image zu wandeln. Man will ein “Family-Resort” werden, Kinder anlocken die sich im Freizeitpark amuesieren wollen.
Ein anderer Punkt waere endlich mehr auslaendische Touristen anzuziehen. Dies soll gelingen, in dem man zum Beispiel das kulinarische Angebot verbessert. Im “Olive” Restaurant sollen auslaendische Michelin Koeche gastieren (der naechste Kochstar ist Renato Brancaleoni, der im September an die Herde gelassen wird), hat mir F&B Chef Kew versichert. Ob dadurch wirklich mehr westliche Gaeste kommen, bezweifle ich allerdings. Warum sollten europaeische Touristen in ein Casino-Bettenburg in den malaysischen Bergen fahren? Touristen wollen in Malaysia in erster Linie an den Strand. Und ob die Zocker das Essen wirklich geniessen werden, bezweifle ich auch. Die meisten auslaendischen Gaeste kommen uebrigens aus Singapur (dort gibt es kein Casino) und den umliegenden asiatischen Laendern, um Ihren Spieldrang zu stillen. Die Araber bleiben mir dabei wirklich ein Raetsel.
Um dem anvisierten Image gerecht zu werden, moechte man natuerlich auch gerne renovieren, da die meisten Gebaeude von aussen ziemlich alt und schimmelig aussehen. Aber renoviert werden darf nach den Feng Shui Regeln nur sehr langsam, ausserdem will man sich aus Umsatzgruenden nicht erlauben groessere Teile der Hotels oder Casinos zu schliessen.

Mein persoenliches Urteil ueber Genting ist ziemlich schnell gefallen. Dieser Ort ist baulich ein Patchwork aus alt und neu, der dazu dient sovielen Chinesen wie moeglich das Geld aus den Taschen zu ziehen, und ist fuer die meisten westliche Touristen kein Besuch wert. Wenn Genting in den naechsten Jahren nicht gruendlich renoviert oder seinen Freizeitpark verbessert, dann wird es fuer ewig eine Zockerhoelle bleiben, was die vielen Zocker hier sowieso nicht stoeren wuerde.

Log in to post a comment.

You can follow the discussion through the Comments feed. You can also pingback or trackback from your own site.